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Der Bürgermeister zu Besuch

Eingefädelt war der Besuch von Bremens Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte schon vor einem halben Jahr. Wegen der Corona-Pandemie wurde er verschoben und jetzt, Mitte September, endlich nachgeholt. Eine gute Stunde hatte Bovenschulte in seinem Terminkalender reserviert, und die verging auf angenehme Weise wie im Flug.

Ungewöhnlicher Gesprächsauftakt

„Was macht den SoVD-Landesverband aus?“ – diese Frage steht bei den meisten Besuchen am Anfang des Gesprächs. Normalerweise skizziert der 1. Landesvorsitzende Joachim Wittrien nun die Aufgabenbereiche des Landesverbands. Allerdings nicht bei Andreas Bovenschulte, denn dieser kannte sich bereits aus. Als langjähriges Mitglied spendete er der Arbeit des Landesverbands große Anerkennung und kam gleich zu einem heiklen Thema: „Was machen die Mitgliederzahlen, was hat sich durch die Coronakrise verändert?“ Joachim Wittrien berichtete über Stagnation und fehlende Neumitglieder, da Messen und andere Veranstaltungen als Orte der Mitgliederwerbung ausgefallen seien.

Corona-Pandemie war ein großes Thema

Rund um das Thema „Corona“ ging es auch im weiteren Gesprächsverlauf. Bovenschulte freute sich über die positive Einschätzung des 1. Landesvorsitzenden, der die Arbeit des Senats lobte. Aber auch die derzeitige Kritik sei ihm verständlich, so Bovenschulte, denn in Phasen der Corona-Lockerungen gebe es einen stärkeren Diskussionsbedarf. Seiner Einschätzung nach sind die Bremer Bürgerinnen und Bürger grundsätzlich zufrieden mit dem eingeschlagenen Weg. „Wir müssen in kontrollierten Schritten zur Normalität zurückkehren“, so der Bremer Bürgermeister, „wobei die Gesundheit oberste Priorität hat. Wir müssen alles tun, damit es keinen zweiten Lockdown gibt.“

Bovenschulte zeigte mit Hinweis auf den geplanten „Freipaak“ sowie die Schul- und Kitaöffnungen auf, wie er sich den sogenannten „Bremer Weg“ vorstellt: „klare Rahmenbedingungen schaffen und schrittweise vorgehen!“ Er will Extreme vermeiden, einen „vernünftigen Mittelweg“ ansteuern und setzt dabei im Gegensatz zu anderen Landesvätern auf eine „zurückhaltende Kommunikation“.

Solidarität in der Krise zeigen!

Beide Gesprächspartner betonten, dass man in der jetzigen Zeit vor großen Aufgaben stehe. „In der Coronakrise darf uns der Wert von Solidarität, Gemeinwohl und starken öffentlichen Strukturen nicht durch eine schwierige wirtschaftliche Lage verloren gehen“, so Bovenschulte. Er plädierte für einen Lastenausgleich zur Konsolidierung der Staatsfinanzen. „Diese Zeit darf nicht mit einer zerklüfteten Gesellschaft enden! Der solidarische Grundgedanke unserer Gesellschaft darf nicht unter die Räder kommen.“ Bovenschulte wies exemplarisch auf die ausstehende Digitalisierung des Schulbereichs hin. „Wir müssen viel Geld in die Hand nehmen, um gleiche Bedingungen zu schaffen“, sagte er, „aber es ist gut investiertes Geld!“

Auswirkungen des Lockdowns

Ein weiteres Thema waren die Auswirkungen des Lockdowns im Pflegebereich. Joachim Wittrien berichtete von der Betroffenheit vieler Mitglieder und dem Wunsch, dass die Schutzkonzepte für Ältere bei einer weiteren Verschärfung der Lage verändert werden. Dazu der Bürgermeister: „Wir haben das klare Ziel, Infektionen zu verhindern, aber zu starre Besuchskonzepte gehen auf Kosten der Lebensqualität. Für die Praxis bedeutet dies: so viel Schutz wie nötig, so viel Besuch wie möglich!“

Bovenschulte machte deutlich, dass es auch in anderen Bereichen keine Alternative zur schrittweisen Öffnung gebe. „Eine Risikoreduzierung auf O gibt es nicht, wir können nur hoffen, ein erträgliches Niveau zu finden, um eine zweite Welle zu vermeiden. Wenn es zu einer erhöhten Infektionszahl kommt, müssen wir Maßnahmen verschärfen. Aber eben in Maßen, sozusagen minimalinvasiv.“

Dies ließe sich auf alle gesellschaftlichen Bereiche ausweiten, waren sich die Gesprächspartner einig. „Auch wir im Landesverband versuchen, zu einer neuen Normalität zu gelangen. Alle versuchen zurzeit, einen Spagat hinzubekommen!“, so Wittrien.

Ein VIP unter den Landesverbands-Mitgliedern

Zum Abschied gab´s ein ganz persönliches Geschenk von Bovenschulte: Er ließ seine SoVD-Mitgliedschaft umziehen, nämlich von seiner alten Wirkungsstätte in Niedersachsen nach Bremen. Eine Bereicherung für die notleidende Mitgliederstatistik und eine bleibende Erinnerung an den Besuch des Bürgermeisters.

Beim Gespräch anwesend

Anwesend beim Gespräch waren neben Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte und Senatssprecher Christian Dohle der 1. Landesvorsitzende Joachim Wittrien sowie Geschäftsstellenleiterin Diana Maleschewski.

Impressionen vom Besuch des Bürgermeisters