Bremer Frauenkonferenz

Vom täglichen "Ritt auf der Rasierklinge"Bremer Landesfrauenkonferenz informierte über die schwierige Lebenssituation alleinerziehender Eltern. Trotz besten Herbstwetters besuchten rund 50 Interessierte die Landesfrauenkonferenz mit dem Thema "Alleinerziehung - Zwiespalt zwischen Beruf und Familie". Sie fand Ende September in der Bremer Neustadt statt. Gonda Flemming, Sprecherin der Frauen im Landesverband Bremen, leitete die Konferenz. Die Situation von Alleinerziehenden in Deutschland ist brisant: Es gibt über 8 Millionen Familien mit minderjährigen Kindern. Davon sind knapp 20 Prozent alleinerziehende Mütter und Väter, in 9 von 10 Fällen sind dies Mütter. 39 Prozent von ihnen sind auf staatliche Grundsicherung angewiesen. Bremen und Berlin haben bundesweit den höchsten Anteil an Einzelelternfamilien. Viele Frauen sind wegen fehlender Kita-Plätze allein mit der Erwerbsarbeit und der Alltagsorganisation. Finanzielle Sorgen gehören zum Alltag. Die Altersarmut ist bei vielen Betroffenen vorprogrammiert. Über diese Fakten informierten Edda Schliepack, Sprecherin der Frauen im SoVD-Bundesverband, Bärbel Reimann, stellvertretende Bremer Landesfrauenbeauftragte der ZGF (Zentralstelle für die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Frau) sowie der Landesverbandsvorsitzende Joachim Wittrien in ihren Grußworten. Dr. Heidemarie Rose, Abteilungsleiterin im Senat für Soziales, Jugend, Frauen, Integration und Sport, vertrat die Bremer Senatorin Anja Stahmann und berichtete in ihrem Grußwort über Maßnahmen, um die Erwerbsfähigkeit zu steigern, die Finanzlage zu stärken sowie Vorhaben, um die Teilhabechancen der Kinder zu verbessern. Einen Einblick in die tägliche Praxis gaben zwei betroffene Frauen, eine alleinerziehende Akademikerin sowie die Vorsitzende vom Bremer Landesverband "Alleinerziehende Mütter und Väter". Sie berichteten vom "täglichen Ritt auf der Rasierklinge" und einem permanent schlechten Gewissen, Vorbehalten der Umgebung sowie Geldsorgen. Was ist zu tun? Perspektiven für Alleinerziehende standen im Mittelpunkt von Bärbel Reimanns Vortrag, den sie stellvertretend für Dr. Esther Schröder von der Arbeitnehmerkammer Bremen hielt. Sie präsentierte die Erfolgsfaktoren zweier Projekte, die von 2010 bis 2013 arbeiteten. Individuelle Beratung, ein breites Netzwerk und die Sensibilisierung der Politik verbesserten die Situation von Alleinerziehenden, so die Projektergebnisse. Es folgte ein Vortrag von Cornelius Neumann-Redlin vom Allgemeinen Arbeitgeberverband über Einflussmöglichkeiten der Arbeitgeber, der eine rege Diskussion nach sich zog. Für die rundum gelungene Konferenz sorgten auch vier Bremer Stadtmusikanten, deren Geschichte vom Theater Interaktivo in lockerer Form inszeniert wurde. Den Abschluss gestaltete der Bremer Kinderchor.