Seit 70 Jahren beim SoVD

Die Jahreshauptversammlung des Ortsverbands Lesum hatte Anfang März ein ganz besonderes Highlight: Georg von Groeling-Müller wurde vom Landesverbandsvorsitzenden Joachim Wittrien für 70 Jahre Mitgliedschaft beim SoVD geehrt. Der 91-jährige Jubilar erhielt eine Ehrenurkunde und ein kleines Präsent. 

70 Jahre Mitgliedschaft, die Anfänge ...

Von Groeling-Müller schildert, wie er zum Reichsbund kam und warum er sich noch heute für den SoVD einsetzt:

„Im August 1945, vom sowjetischen Militärarzt als 70 Prozent schwerbeschädigt aus dem Lazarett Zerbst offiziell entlassen, landete ich auf Umwegen bei meinen von Ostpreußen nach Bremen-Nord geflüchteten Eltern. Nun galt es, Arbeit zu suchen. Nach fast zwei Jahren bei der Spielwarenmanufaktur Boiger in Vegesack und in den US-Army-Depots Blumenthal, Bremer Vulkan und Lemwerder schickte mich das Arbeitsamt zur damaligen Sprechstunde der Hauptfürsorgestelle im alten Ortsamt Vegesack. 

Die Zeit als Ortsverbandsmitglied

Der Berater wusste nicht so recht, wo er mich als jungen Schwerbeschädigten unterbringen sollte. Er riet mir zu einer Position als Stadtinspektor. Enttäuscht verabschiedete ich mich, ich wollte nicht von Haus zu Haus gehen und Zähler ablesen. Auf der Stuhlreihe vor dem Sprechzimmer saß ein alter Herr. „Hast du etwas bekommen?“, fragte er. Ich berichtete. „Komm doch zu uns in den Reichsbund der Kriegsbeschädigten. Ich bin der Vorsitzende des Ortsverbands Vegesack.“ Ich unterschrieb den Aufnahmeantrag und machte mit, bald als Vorstandsmitglied und später als Nachfolger des alten Herren, der mich einst aufgenommen hatte. 

Ich besuchte die Höhere Handelsschule in Vegesack, wurde kaufmännischer Lehrling bei der Bremer Tauwerkfabrik und widmete meine Freizeit dem Reichsbund. Die Mitarbeit wurde 1953 unterbrochen, denn ich startete einen Abiturkursus bei der Hochschule für Arbeit und Wirtschaft in Wilhelmshaven. Zurück meldete ich mich wieder beim Vegesacker Reichsbund.

Rechtliche Unterstützung ermöglicht Studium

Nach dem Abitur wollte ich studieren. Angeregt von meinen Berufsschullehrern sollte es „Handelsschullehrer“ sein. Das Ersparte reichte nicht, das Geld der Eltern auch nicht. Der Reichsbund sagte, die Hauptfürsorgestelle bekomme Geld von den Betrieben, die nicht genug Behinderte einstellen, die könnte zahlen. Mein Antrag wurde jedoch abgelehnt.

Unser Landesvorsitzender war damals der Jurist Dr. Bunge. Er erhob Klage beim Sozialgericht. Nach dessen Ablehnung – mit der Begründung „der hat ja schon einen Beruf“ – klagte er dann beim Landessozialgericht. Dr. Bunge erstritt für mich, dass das Hauptfürsorgeamt das Studium unter Auflagen zu zahlen habe. Kein Reichtum, aber so wurde ich Diplom-Handelslehrer.

Lebenslanges Engagement im SoVD

Das verdanke ich unserem Reichsbund/SoVD, bei dem ich bis heute viele Vorstandsämter bekleidet habe.“